Bachelor und Master

Letztes Update am 5. Oktober 2020

Welche Ziele werden mit Bachelor und Master verfolgt? Und warum gibt es überhaupt Bachelor- und Master-Studiengänge? In Deutschland gibt es zwei Ansätze zur Begründung der Bachelor- und Master-Studiengänge. (Quelle: Heidrun Jahn, Wittenberg: http://www.oefg.at/text/workshop/beitrag_1.html, an die sich der gesamte Artikel anlehnt)

Internationale Studienangebote

Einerseits prägt die Diskussion um die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen seit Jahren die Hochschullandschaft. Darin heißt es, dass die unzureichende internationale Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Studienstandortes Deutschland zu verbessern ist. Dieser Schritt soll durch international kompatible Studienangebote, -strukturen und speziell Abschlüsse gelingen. Außerdem ist festzustellen, dass zu wenig ausländische Studierende – im Besonderen aus wirtschaftlich und kulturell zunehmend bedeutsamen außereuropäischen Ländern – nach Deutschland wollen. Des Weiteren sind die deutschen Hochschulabschlüsse oft als nicht ausreichend kompatibel mit den weltweit dominierenden anglo-amerikanischen Abschlüssen einzuschätzten. Außerdem treten Probleme in der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen auf, was auch Deutschen einen Auslandsaufenthalt erschwert.

Hochschulreform Bachelor und Master

Der andere Begründungsansatz ist schon etwas älter. Dieser betrifft die eher interne Reform des deutschen Hochschulstudiums. Allerdings hat er in Verbindung zur Internationalisierung und zu einer insgesamt intensiveren Debatte über Probleme der Studien- und Hochschulreform in Deutschland in den letzten Jahren stärkere Beachtung erfahren. Denn mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen strebt man eine Veränderung des deutschen Studiengangsystems an. Dabei soll der Tatsache besser Rechnung getragen werden, dass heute bereits über 30% eines Altersjahrganges die Hochschulen besuchen, deren Erwartungen an ein Studium sich deutlich von ihren Fähigkeiten und Interessen unterscheiden. Zudem ist am traditionellen Studium an deutschen Hochschulen vor allem seine geringe Flexibilität bezüglich studentischer Nachfrage und Angebot auf dem Arbeitsmarkt zu kritisieren. Im Ergebnis drückt sich das in einem hohen Anteil an Studiengangwechslern, -abbrechern und Langzeitstudierenden aus.

Ziele von Bachelor und Master

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Allheilmittel Bachelor und Master

“Die in der Diskussion vertretenen Meinungen zum “Allheilmittel Bachelor” für die Probleme des deutschen Hochschulwesens sind aber durchaus widersprüchlich. Die Interessen der Befürworter (vor allem Hochschulpolitiker) und Kritiker dieser Entwicklung (aus den Reihen der Studierenden, Hochschullehrer und Wirtschaftsvertreter) sind vielfältig und reichen von dem Wunsch nach stärkerer internationaler Öffnung und Differenzierung des deutschen Hochschulstudiums bis zu Ängsten vor Traditions- und Qualitätsverlust.”

Entstehung und Besonderheiten

Was ist eigentlich der Bologna-Prozess? Im Jahr 1999 wurde die sogenannte “Bologna-Erklärung” von Regierungsvertreter/innen aus 29 europäischen Ländern unterzeichnet. Dabei war es das Ziel, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum bis zum Jahr 2010 zu schaffen. Dadurch sollen die verschiedenen nationalen Bildungssysteme zueinander kompatibel und der Beschäftigungsgrad der Absolventinnen und Absolventen gesteigert werden. Damit versucht man etwas europaweit, was deutschlandweit noch nicht gelungen ist: eine Harmonisierung der Ausbildung junger Menschen! Aber ist dies tatsächlich gelungen? Oder gibt es noch immer viele Unterschiede in den einzelnen Ländern?

Bachelor und Master oder Diplom?

Noch immer trauern viele Menschen in Deutschland den guten alten Diplom-Studiengängen nach. Allerdings hat man schon bei Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge behauptet, diese seien schlechter als die Diplomausbildung. Doch stimmt das wirklich? Ein Diplomstudiengang hatte früher meist eine Regelstudienzeit von 8 Semestern. Nach drei bis vier Semestern hatte man dabei ein völlig wertloses Vordiplom erworben.

Bachelor und Master Studium als Folgen des Bologna-Prozess

Nun gibt es stattdessen das Bachelor- und das Master Studium. Dabei ist ein Bachelorstudium häufig auf eine Dauer von 7 Semestern konzipiert. Allerdings gibt es auch noch Bachelorstudiengänge mit 6 Semestern Regelstudienzeit. Diese kürzere Regelstudienzeit kommt vor allem im dualen Studium vor. In einem dualen Studium kombiniert der Student das Studium mit einer Tätigkeit in einem Unternehmen. Folglich ähnelt das duale Studium der in Deutschland bekannten dualen Ausbildung. Denn wer in Deutschland einen Ausbildungsberuf erlernt, macht dies sowohl im Unternehmen als auch in der Berufsschule. Und in ganz seltenen Fällen kann ein Bachelorstudium sogar auch 8 Semester dauern.

Letztlich fehlen dem Bachelor ein bis zwei Semester gegenüber der alten Diplom-Regel. Doch ist man damit automatisch schlechter ausgebildet? Hierzu ist sicherlich der Einzelfall zu betrachten. Aber in der Regel haben Universitäten und Fachhochschulen bei der Umstellung vom Diplom auf Bachelor und Master sicherlich nicht die Fächer aus dem Lehrplan gestrichen, die immer schon als schwierig für die Studenten galten. Es ist also nicht zu erwarten, dass das Studium plötzlich leichter wird. Und warum sollen dann die Studenten in der Welt von Bachelor und Master schlechter ausgebildet sein als zu Diplom-Zeiten?

Kompetenzen im Bachelorstudium

Wer erfolgreich ein Bachelorstudium absolviert, kann frühzeitig einen Beruf ergreifen. Alternativ besteht für den Studenten die Möglichkeit, ein wissenschaftlich vertiefendes Studium aufzunehmen. Dieses Masterstudium kann das Themenfeld des Wirtschaftsingenieurwesens fortführen. Dann spricht man von einem konsekutiven Masterstudiengang. Oder der Absolvent bzw. die Absolventin entscheidet sich zu einem Masterstudium, das als Zusatzstudium zu verstehen ist und inhaltlich nicht unmittelbar an das Erststudium anschließt.

Orientierung am Beruf

Letztlich soll sich das Bachelor‐Studium an den Anforderungen orientieren, die aus der Berufspraxis abzuleiten sind. Dabei sind die Lernergebnisse des Studiums in die Bereiche

  • Wissen und Verstehen,
  • Nutzung und Transfer,
  • Wissenschaftliche Innovationen,
  • Kommunikation und Kooperation sowie
  • Wissenschaftliches Selbstverständnis bzw. Professionalität

zu gliedern. All diese Kompetenzen sind im Rahmen eines Bachelorstudiums zu erwerben.

Längst führen die meisten Studiengänge in Deutschland zu den international gebräuchlichen Abschlüssen Bachelor und Master. Bereits zum Wintersemester 2008/2009 wurden nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz nahezu 9.300 derartige Studiengänge in Deutschland angeboten.

Anwendungsorientiertes Studium

Die Entwicklung zu neuen Studienformen ist nicht übersehbar. Einerseits entwickeln immer mehr Berufsakademien bzw. duale Hochschulen, die erwiesenermaßen stark anwendungsorientiert arbeiten, Bachelor-Angebote. Andererseits bieten auch die klassischen Hochschulen neue Angebote an. So gibt es an der HTW des Saarlandes den Studiengang Aviation Business, der die Pilotenausbildung (korrekt: Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer) in ein praxisnahes Studium der technischen Betriebswirtschaftslehre integriert.

Während in der alten Diplom-Welt häufig forschungslastige Themen dominierten, kommen nun immer mehr praxistaugliche Lehrangebote zum Einsatz. Außerdem ist die klassische Aufteilung in ein wertloses Vordiplom und das eigentlich gewünschte Diplom nun obsolet. Allerdings ersetzt das Bachelorangebot nicht das Vordiplom. Stattdessen sind die Lehrinhalte, die sich ursprünglich im Vordiplom befanden, nun in den ersten drei bis vier Semestern des Bachelorstudiums zu finden. Darauf aufbauend erfolgt dann die Spezialisierung und Vertiefung des Grundlagenwissens in den folgenden Semestern.

Der Bologna-Prozess heute

Inzwischen gilt der Bologna-Prozess als grundsätzlich abgeschlossen. Allerdings gibt es heftige Diskussionen aufgrund der aus Sicht der Bachelor-Absolventen zu geringen Zahl an Masterstudienplätzen. Da jedoch (zumindest in der Theorie) der Bachelorabschluss der Regelabschluss sein soll, wird sich daran zukünftig zunächst nicht sehr viel ändern. Dennoch muss man sagen, dass es inzwischen auch viele Master Studienplätze gibt, auch an der Fachhochschule und nicht nur an der Universität.

Bildung statt Bologna

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Tatsache ist jedoch, dass in seiner Wertigkeit aufgrund der (durchaus sinnvoll) verkürzten Studiendauer der Bachelorabschluss geringfügig unter dem alten Diplomabschluss, der Masterabschluss dagegen darüber einzuordnen ist. Wer den Bachelorabschluss dem alten Vordiplom gleichsetzt, macht aber einen großen Fehler. Denn bei der Reduktion der Studiendauer vom Diplom zum Bachelor ist in der Regel nur ein einziges Studiensemester weggefallen. Folglich kann gar nicht so viel Lehrinhalt fehlen gegenüber den alten Diplomstudiengängen. Außerdem bot die Umstellung die Gelegenheit, alte Studiengänge einmal zu entstauben. Viele Lehrinhalte waren nämlich nicht mehr zeitgemäß. Im Ergebnis ist nicht alles am Bologna-Prozess schlecht.

Überblick
Ziele von Bachelor und Master - Studium
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Ziele von Bachelor und Master - Studium
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Die Ziele der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen liegt vor allem in der internationalen Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen begründet. Aber ist das wirklich nötig?
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Dozent an der htw saar
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